Tafel-Wette gewonnen

Datum: 06.06.2010 | Autor: Elke | Kategorien: Geisterfahrer & Erscheinungen | Tags: , , , | Keine Kommentare »

Klaus Wowereit hat die Tafel-Wette gewonnen. Herzlichen Glückwunsch! In dieser Wette gab es nur Gewinner: Die Berliner Tafel, die 70 Tonnen Lebensmittel gespendet bekamen und den Regierenden Bürgermeister von Berlin, der gewettet hatte, dass die Berliner in einem Monat 50 Tonnen spenden werden.  Das Gespenst der Armut hat mitgewettet und in jeder Hinsicht auch gewonnen.



Jörg Heiser über Kunst & Armut

Datum: 16.05.2010 | Autor: Elke | Kategorien: Gastbeiträge, Jörg Heiser | Tags: , , | Keine Kommentare »
Jörg Heiser

Jörg Heiser

Jörg Heiser ist Kunstkritiker, Kurator und Chefredakteur der Kunstzeitschrift frieze.

Wer bislang unorientiert durch Kunsthallen tapste und sich fragte, ob die Fettecke dort hinten wirklich eine Fettecke oder doch mehr sei, der gewann 2007

Wer wäre also besser geeignet, das unübersichtliche Spannungsfeld von Armut und Kunst zu sortieren?

Lieber Jörg Heiser,

Kunst und Armut – strange bedfellows?! Dazu einige Fragen:

„Kaum ein Feld der Kultur scheint weniger mit Armut verknüpfbar zu sein als die Kunst. Kunst und Reichtum – ja, aber Kunst und Armut?“ (Anselm Wagner). Woran, bitte schön, liegt das?

„Eure Armut kotzt uns an“, war mal ein Spruch auf einem linken Politik-Magazincover, natürlich ironisch gemeint. In der Tat gilt, was der britische Künstler Jeremy Deller mal so beschrieben hat: „the art world is a great place to meet retired arms dealers“. Vor vierhundert Jahren in Italien hätte man vielleicht entsprechend gesagt: „Die Kunstwelt ist ein wunderbarer Ort, um päderastische Inquisitoren kennenzulernen.“ So wie sich der Klerus und der Adel einst präsentierten mit Kunst, so sind heute die pensionierten Waffenhändler also diejenigen, die sich nicht nur mit mehrfach operierten Trophy-Wifes schmücken, sondern auch mit protzigen Kunstwerken, die knallig sind und viel kosten (Damien Hirst, große Ölschinken etc.). Der Sammler als Gegenwartsrealität der Kunst, beobachtet mit jener Mischung aus Faszination und Ekel, mit der auch Celebrity-Magazine gelesen werden. Weiterlesen »


turn your radio on: Arme. Reiche. Ausgeschlossene.

Datum: 26.04.2010 | Autor: Elke | Kategorien: Trailer, Teaser & Geschmacksverstärker | Tags: , , , | Keine Kommentare »
Gespenst der Armut Radio

Gespenst der Armut Radio

Jochen Rack widmet sich am 29. April von  22:04 bis 23:00 auf  RBB Kultur (RBB-Perspektiven) erneut dem Thema Armut:

Arme. Reiche. Ausgeschlossene. Soziale Ungleichheit in Deutschland

Verspricht sehr spannend zu werden, denkt man an die von Sloterdijk beschworenen “fiskalischen Bürgerkämpfe” , die als raffinierte Avangardetechnik im  “Klassenkampf von oben” (Axel Honneth) zum Einsatz kommen könnten. Doch halt, sollte der etwa ins Stocken kommen?! Der allseits hochgeschätzte FDP-Vorsitzende G. Westerwelle hat gestern jedenfalls angesichts schwächelnder Umfragewerte schon mal auf dem FDP-Parteitag  den “mitfühlenden Liberalismus” vorpraktiziert (welt online). Schluchz. Was ist eigentlich schlimmer: das verbal hochgerüstete Säbelrasseln oder die Tränendrüsigkeit, wenn man’s mal wieder nicht so gemeint haben will?

Hier flugs der Pressetext zur  Sendung:
Daß der Markt Ungleichheit und soziale Unterschiede erzeugt, ist nach liberaler Auffassung solange erträglich, als sozialer Aufstieg möglich bleibt, Klassenkonflikte in Partnerschaft ausgetragen werden und der Staat die „Rahmenbedingungen des Daseins“ garantiert. Diese Theorie wird heute von den neoliberalen Philosophen Peter Sloterdijk und Norbert Bolz als Legitimation für eine FDP-Politik der Steuersenkungen erneut stark gemacht. Doch nicht nur die Wirtschaftskrise, in der die Kosten des kapitalistischen Systemsversagens über steigende Staatsverschuldung und Arbeitslosigkeit sozialisiert werden, zeigt, daß die soziale Ungleichheit in der Gesellschaft in einem Maße zugenommen hat, die der neoliberalen Theorie widerspricht. Jürgen Habermas spricht sogar vom „sozialdarwinistischen Potenzial des Marktfundamentalismus“. Während eine „plutokratische Vermögens- und Einkommenselite“ (Hans Ulrich Wehler) immer reicher wurde, konstatiert der Armutsbericht der Bundesregierung ein Wachsen der gesellschaftlichen Schicht, die von sozialen Transferleistungen abhängig ist. Neue Spaltungsprozesse in Zeiten des Sozialabbaus bringen eine Gruppe von „Ausgeschlossenen“ (Heinz Bude) hervor. Aber auch traditionelle Angehörige der Mittelschichten fürchten angesichts stagnierender Reallöhne ein soziales Abgleiten. Sozialneid und neue Parolen des Klassenkampfes machen Angst vor einem „Aufstand der Unterschicht“ (Inge Kloepfer). Zerfällt die „nivellierte Mittelstandsgesellschaft“, als die Helmut Schelsky einst die Bundesrepublik beschrieb?

Hier das Manuskript zur Sendung: Arme, Reiche, Ausgeschlossene


turn your radio on: Geleugnet, verharmlost und verschleiert. Armut in Deutschland

Datum: 14.04.2010 | Autor: Elke | Kategorien: Texte | Tags: , , , , | Keine Kommentare »

radio gespenst armut elke bruensArmut hat viele Dimensionen. In seinem Beitrag Geleugnet, verharmlost und verschleiert. Armut in Deutschland bringt Jochen Rack am 20. April auf Bayern 2 verschiedene Sichtweisen im Nachtstudio (20.30) ins Gespräch. Ihre Sicht auf die Dinge erläutern der Politologe Christoph Butterwegge, der Soziologe Berthold Dietz und Hannelore Kiethe, die Vorsitzende der Münchner Tafel. Und auch die charmante Blogbetreiberin Elke Brüns, ihres Zeichens Literaturwissenschaftlerin, ist zu hören.

Flugs der Pressetext: “Armut in Deutschland ist von einem Tabu zu einem Topthema geworden. In den Talkshows diskutiert man über die Hartz4-Gesetze, die das Bundesverfassungsgericht korrigiert hat, und Vizekanzler Westerwelle wittert angesichts der sozialen Transferleistungen ’spätrömische Dekadenz’. Aber wie sehen die Lebenslagen von Armen in Deutschland wirklich aus? Wie kann man Armut soziologisch definieren? Welche Bilder von Armut finden sich in der Literatur? Wie verstehen Arme ihre Situation selber? Und was können Politik und Gesellschaft tun, um der Armut abzuhelfen? Jochen Rack beleuchtet das drängende soziale Problem aus unterschiedlichen Blickwinkeln.”

Nach der Ausstrahlung steht die Sendung auch als Podcast Armut in Deutschland bereit.


Armut und Ausgrenzung: Roma

Datum: 10.04.2010 | Autor: Elke | Kategorien: Trailer, Teaser & Geschmacksverstärker | Tags: , , | Keine Kommentare »

Der Standard.at berichtet in einer Artikelserie über Roma in Osteuropa: “In Osteuropa leben viele Roma von der Hand in den Mund – Ihre Armut wird ihnen vielfach zum Vorwurf gemacht, Zuspitzung droht.”
Von allen ethnischen Minderheiten in der EU werden die Roma am stärksten diskriminiert, so eine Erhebung der Europäischen Union zu Minderheiten und Diskriminierung (EU-MIDIS), die Forschungsabteilung der EU-Grundrechtsagentur vorgelegt hat.
weiterlesen Situation der Roma


Nils Heinrich: Irgendwie Nirgendwo Nirgendwann

Datum: 10.04.2010 | Autor: Elke | Kategorien: Musik & Film | Tags: , , , | Keine Kommentare »

Ein Song über das Hartzen. “Gib mir die Hand, ich bau dir ein Haus aus Pflaschenpfand, irgendwie, irgendwo, irgendwann…” Irgendwie das passende Gegenbild zu Thilos Armen-Bashing.


Armen-Bashing: schon wieder Thilo Sarrazin

Datum: 09.04.2010 | Autor: Elke | Kategorien: Texte | Tags: , , , | Keine Kommentare »

Wieso bekommt dieser Mann eigentlich immer wieder so viel Aufmerksamkeit? Oder anders gefragt: Bekäme er sie eigentlich auch ohne seine Dauerkonstruktion einer Unterschicht, über die es aufzuklären gälte, zuförderst und vornehmlich natürlich durch IHN: Thilo Sarrazin. Vermutlich nicht.
Den diesmaligen Anlaß bot eine Buchvorstellung der taz-Autorin Ulrike Herrmann (“Hurra, wir dürfen zahlen”). Erneut bosselte Sarrazin am Schreckbild einer Unterschicht, die fettleibig vor dem Fernseher Fluppen inhaliert. Das ist so die Erkenntnis. Um es deutlich zu sagen: Das Problem ist ja nicht, dass es diese oder jene Phänomene geben mag in der von Sarrazin kritisierten Unterschicht, sondern dass er eine Kultur der Armut konstruiert. Armut ist hier kein materieller Zustand, sondern einer des Verhaltens und der Mentalitäten. Diese Kultur der Armut ist es nach Sarrazin, die den Aufstieg verhindert.
Wer’s nochmal vorgebetet bekommen möchte, hier Sarrazins kulturalistische Einsichten auf heute.de Sarrazin

Oder man liest den Sozialreport der Stadt Leipzig, den Ralf Julke in der Leipziger Internetzeitung vorstellt:
“Wenn der ‘Sozialreport 2009′ der Stadt Leipzig eine These bestätigt, dann ist es die, dass die Herkunft von Kindern immer stärker ihre Bildungschancen bestimmt. Armut hat – wie die Autoren mehrfach betonen – viele Dimensionen. Und schon die Jugendärzte sehen die katastrophalen Folgen.”
Sozialreport Leipzig


Barfüßler gegen Armut

Datum: 08.04.2010 | Autor: Elke | Kategorien: Musik & Film | Tags: , , , | Keine Kommentare »

Heute am 8. April einen Tag ohne Schuhe herumzulaufen -- dazu wollen die Jonas Brothers auch andere animieren. Warum? Weil viele Arme nicht einmal Schuhe besitzen.

Sind so zarte Füßchen…

Organisiert wird das Ganze zum dritten Mal von TOMS Shoes, einem Schuhproduzenten, der für jedes verkaufte Paar Schuhe ein Paar Schuhe an ein bedürftiges Kind spendet. Mit machen und sich -- weltweit -- in Gruppen organisieren kann man unter www.OneDayWithoutShoes.com


Armutsbilder im Film: Die Grenze, Keine Angst, Luftbusiness

Datum: 01.04.2010 | Autor: Elke | Kategorien: Musik & Film, Texte | Tags: , , , , , , , , , | 2 Kommentare »

Arme sind irgendwie drollig, putzig, nicht die Hellsten, aber bauernschlau, haben verstrubbelte oder vergurkte Haartrachten, das Herz am rechten Fleck, nämlich – weil ja letztlich doch solidarisch und hilfsbereit – irgendwie links. Ganz dolle konnte man das Die Grenze von Roland Suso Richter bewundern. Neben der Arbeitsbeschaffungsmaßnahme „Deutschland retten“ (so trefflich Dagmar Rosenfeld in der Zeit) heißt es feiern, lieben, streiten und treuherzig gucken. So weit, so Märchen, Schwank & Schelm. Auch im Kino und Fernsehen greift zumeist die Formel: kleine Verhältnisse – großes Herz. Wenn’s mal anders ist, wird gleich richtig böööse, böööse, böööse. So wie neulich in Keine Angst von Aelrun Goette. Gruppenvergewaltigungen, Papa wech, Missbrauch, Alkohol, Frauenbild schlimmer als Mutti in den 50ern. Noch was vergessen? Ach ja: die ewig glimmende Fluppe im Mund von Mama – das selbstzerstörerische Insignium der Unterschicht.
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Ökonomien der Armut

Datum: 30.03.2010 | Autor: Elke | Kategorien: Trailer, Teaser & Geschmacksverstärker | Tags: , , , | Keine Kommentare »

Armut, ein globales und menschheitsgeschichtliches Phänomen, zählt zu den drängendsten Problemen der Gegenwart. Doch jenseits politischer Diskurse und medialer Skandalisierungen scheinen Not, Mangel und Ausgrenzung kaum ein ästhetisches Recht beanspruchen zu können.

Die Gleichsetzung von ästhetischem und materiellem Vermögen wird indes bereits in der Antike kritisch reflektiert. Dass auch in der deutschsprachigen Literatur unschöne Armut und schöne Literatur nicht notwendig im Widerspruch zueinander stehen, belegen die Autorinnen und Autoren des Bandes. Die Beiträge rücken die produktive Spannung zwischen den materiellen Bedingungen und ihren ästhetischen Transformationen als vielgestaltige Ökonomien der Armut in den Blick. Nicht zuletzt stellt sich mit der Frage nach den sozialen Verhältnissen in der Literatur auch diejenige nach einem social turn in den Kulturwissenschaften. (Klappentext)

Elke Brüns (Hg.): Ökonomien der Armut.
Soziale Verhältnisse in der Literatur
2008, 231 Seiten, Kart., EUR 29.90 / CHF 49.90
ISBN: 978-3-7705-4447-9