Gelesen: Hase und Bettler

Datum: 29.04.2013 | Autor: Elke | Kategorien: Tuomas Kyrö: Hase und Bettler | Tags: , , , | Keine Kommentare »

Autos stehlen oder Nieren verkaufen

Vatanescu, ein rumänischer Roma, strandet in Finnland. Dort wird er betrogen, aus­gebeutet, geschlagen, ausgeraubt und schließlich niedergestochen. Vatanescu, ein rumänischer Roma, strandet in Finnland. Dort wird er akzeptiert, geliebt, unterstützt, gefeiert und schließlich rang­hoher Politiker. Was nach zwei grundverschiedenen Geschichten klingt, findet tatsächlich in einem Roman statt.

Dabei hätte die Geschichte, die der finnische Autor Tuomas Kyrö in „Bettler und Hase“ erzählt, noch ganz anders ausgehen bzw. anfangen können. Denn Vatanescu ist, wie gesagt, Roma. Damit hätte er, heißt es eingangs, „auch andere Optionen gehabt, er hätte Autos oder das Kupfer aus Telefonkabeln stehlen oder eine Niere verkaufen können.“ So aber nimmt er das Angebot von Jegor Kugar, einem russischen Drogen- und Menschen­händler, an. Der ver­sorgt den mitteleuropäischen Markt mit „Tussis zwischen siebzehn und vier­und­dreißig“, doch auch Kleinvieh macht Mist und so unternimmt er gelegentlich Touren in den Norden „samt Pfennigsammeln bei den Bettlern“.

Für Vatanescus Schwester geht es in ein Bordell, für ihn nach Finnland. In Helsinki staffiert ihn Kugar mit Kleidung und Habitus aus: „Lächeln raubt einem Bettler die Glaubwürdigkeit und schlägt sich in schwächelndem Cashflow nieder“. Geschlafen wird in alten Wohnwagen, Nahrung ist knapp, den die Bettler sollen verhungert aussehen, pro Tag ist ein Toilettengang erlaubt. Fünfundsiebzig Prozent der Einnahmen gehen an Kugar. Am ersten Tag erbettelt Vatanescu fünf Euro und achtzig Cent. Einmal wird er an­gespuckt. Weiterlesen »