Jahresendbilanz/Offene Frage
Datum: 31.12.2010 | Autor: Elke | Kategorien: Musik & Film | Tags: Heiko Pfreundt | Keine Kommentare »Installation von Heiko Pfreundt, Berlin, U-Bahnhof Weinmeisterstr. 2009
Photo: Werner Walczak, 2009
Installation von Heiko Pfreundt, Berlin, U-Bahnhof Weinmeisterstr. 2009
Photo: Werner Walczak, 2009
Armut kennt viele Geschichten – so der Titel diesen schönen und traurigen Spots von
Isabel Prahl (Kunsthochschule für Medien Köln), mit der sie den Young Director Award in Cannes gewann.
Armut kennt viele Geschichten from Isabel Prahl on Vimeo.
Herzlichen Dank an Michaela Moser für den netten Hinweis!
Gestern bin ich einem meiner Lieblingsbettler begegnet -- ein Satz, den man wirklich nur in bestimmten Stadtteilen formulieren kann. Mein Lieblingsbettler jedenfalls tritt mit einem kleinen Zigarrenkästchen und folgender Aussage an unseren Tisch: “Geben Sie der Bettlerbank. Geld für immer verschwunden, keine Zinsen, nie wieder Kontoauszüge anschauen!” Vor allem die letztgenannte Option lässt mich gerne einen Obolus in einen der zwei kleinen Schlitze der Bettelbank werfen. Ich mag diese Figur des - ja, was? -- Bettelbankers oder Bettlerbankers: Geld macht arm. Geld macht reich. Ich hoffe, den sehe ich bald wieder.
Bis dahin kann man sich die Zeit mit einem Video von > Bernadette La Hengst vertreiben:
Die Avantgarde Bettler aus der Freiburger Bettleroper von 2009
Sauberes Wasser ist nun ein Menschenrecht (> Tagesschau). Die Vereinten Nationen haben eine entsprechende Resolution angenommen. Erstaunlich ist dabei ja weniger, dass etwas, was man für absolut selbstverständlich erachten würde, weltweit erst mal beschlossen werden muss. Noch viel erstaunlicher ist die Tatsache, dass Länder sich enthalten und damit eigentlich dagegen stimmen. Was soll das eigentlich bedeuten? Dass man einer Milliarde Menschen das Recht auf Zugang zu sauberem Wasser abspricht?
Die Aufnahme in die Menschenrechtscharta bedeutet leider nicht, dass es sich um einklagbares Recht handeln würde, sondern auch hier geht es um Symbolpolitik. Diese darf man aber nicht unterschätzen. Zum Glück folgt ja die schwerfällige Realität häufig dem Wünschenswerten nach.
Zur Feier des Tages ein Flashback in die 80er -- Kaltes klares Wasser von Malaria, schön unsauber:
In der neuen Sat 1-Serie Danni Lowinski kämpft die gleichnamige Titelheldin als kleine Schwester von Erin Brockovich gegen die Reichen. Als gelernte Friseurin, in ihrer Plattenbau-Existenz mit einem ewig nörgelndem, behindertem Vater geschlagen, kann Danni Lowinski nach ihrem Jura-Studium keinen Job als Anwältin finden. Was liegt näher, als den 1-Euro-Jobber zu variieren: eine Minute Beratung für 1. Euro – so lautet ihr Angebot in der Einkaufspassage. In der ersten Folge vertritt die von Annette Frier gespielte Billig-Anwältin eine schwarzarbeitende Haushaltshilfe, die, kaum dass krank wird, nach fünf Jahren von der herzlosen, reichen Familie mit 500 € abgespeist und rausgeschmissen wird. Großes Herz kämpft mit großem Dekoltee (oder umgekehrt): „Das schöne am Armsein ist, dass man nichts zu verlieren hat“ – so lautet jedenfalls der Kampfspruch von Danni. Den erotisch attraktiven Gegenspieler gibt Staranwalt Oliver Schmidt: “Sie ziehen sich an, stoßen sich ab. Möglicherweise stehen ihr beruflicher Ehrgeiz und der gesellschaftliche Klassenunterschied einer gemeinsamen Zukunft im Weg. Das ist Champagnergesellschaft gegen Bierdosengesellschaft”, so Annette Frier. (Quelle: Pressetext)
Gerechtigkeit und Recht sind ja nicht unbedingt das Gleiche. In Zeiten, in denen Pfandbons und Buletten zu Kündigungen führten, kann die Serie diese kleine Verschiebung nutzen, um über Recht zu sprechen, eigentlich aber das gestörte Gerechtigkeitsempfinden der Bierdosengesellschaft wieder etwas aufzumöbeln. Dat perlt, würde Dittsche sagen.
Ein Song über das Hartzen. “Gib mir die Hand, ich bau dir ein Haus aus Pflaschenpfand, irgendwie, irgendwo, irgendwann…” Irgendwie das passende Gegenbild zu Thilos Armen-Bashing.