Gespenst macht Sendepause

Datum: 15.10.2013 | Autor: Elke | Kategorien: Texte | 6 Kommentare »

Zum Thema Armut fällt mir im Moment nichts mehr ein – Zeit für eine Sendepause!


Nelson Mandela

Datum: 17.07.2013 | Autor: Elke | Kategorien: Texte | Keine Kommentare »

Morgen am 18. Juli hat  Nelson Mandela Geburtstag  (und ich auch, deshalb schon heute diese kleine Hommage). Gegenwärtig liegt Mandela auf der Intensivstation.
Wenige Menschen wirken so sehr als Vorbild wie der heute noch 94-Jährige.  Über Nelson Mandela schrieb die 1952 in Südafrika geborene Schriftstellerin Antjie Krog im Tagesspiegel:
“Wir Normalsterblichen, die wir uns aus der Ferne um ihn sorgten, sollten wissen, dass wir niemals wieder jemanden in unseren Herzen tragen werden, der so starrsinnig schön, so prinzipienfest, so elegant und mitreißend mutig ist.”

Attribution: South Africa The Good News / www.sagoodnews.co.za (Creative Commons-Lizenz)


Gute Idee

Datum: 09.06.2013 | Autor: Elke | Kategorien: Texte | Keine Kommentare »

Querstadtein bietet Stadtführungen an. Und zeigt Berlin aus einer völlig neuen Perspektive: aus der Sicht von Obdachlosen. Gute Idee! Und hier ein Bericht im Tagesspiegel.


Dicki im Kreativprekariat

Datum: 25.05.2013 | Autor: Elke | Kategorien: Texte | 2 Kommentare »

Was ist eigentlich aus Dicki Hoppenstedt geworden? Fragt sich Katja Kullmann in der taz.

Und wer war noch mal Dicki Hoppenstedt? Ein pummeliges Wesen in einem Loriot-Sketch (siehe Kommentar von Helga unten, nachfolgende Sätze sind in die sächliche Form gesetzt). Es bekam 1978 als Weihnachtsgeschenk von seinem Opa das Spielzeugset “Wir bauen uns ein Atomkraftwerk” – und das konnte schön “puff” machen.

Heute wäre Dicki um die 40. Und sollte es dem Aufruf des  damaligen Kanzlers Schröder gefolgt und “für seine Träume die eigene wirtschaftliche Existenz eingesetzt” haben, indem es in die Kreativwirtschaft ging -  ja dann  hat möglicherweise auch seine/ihre Biografie “puff” gemacht und das  Gute fragt sich heute, wie es seine Miete bezahlen soll. Kullmann sieht eine Lösung in der Erkenntnis, dass man ohne Solidarisierung mit den anderen, weniger gut Ausgebildeten, aber ebenso schlecht bezahlt Herumwerkelnden eigentlich nur “Deko in der Stadt” bleibe. Sehr lesenswert.


Agenda 2010 als Armutsinstrument

Datum: 03.04.2013 | Autor: Elke | Kategorien: Texte | Keine Kommentare »

Der renommierte Armutsforscher Christoph Butterwegge rechnet in der Süddeutschen Zeitung mit der Agenda 2010 ab.  Letztlich erweist sich, so ließe sich der Beitrag resümieren, die Agenda 2010 als Instrument der Armutspolitik. Nachdem anläßlich des Agenda-Jubiläums  wochenlang das Hohelied dieses Reformpaketes gesungen wurde, findet sich hier nun  eine Gegenstimme.


Roma = Der, der man nie sein möchte

Datum: 18.03.2013 | Autor: Elke | Kategorien: Texte | 4 Kommentare »

Die “Zigeuner” sind seit je eine Projektionsfläche: fremd, bunt, wild. Sie lösen Ängste und Abwehr aus – und sie sind  ungemein attraktiv. Wer kennt nicht die gitarrespielende Zigeunerin mit den wilden Locken, ein kitschig-romantisches Motiv der Halbzivilisiertheit. Aber auch das rauchende Mädchen hier auf dem Foto ist ein Sehnsuchtsbild. Ärmlich, aber stolz. Als kindliche Raucherin gewissermaßen lebensverachtend und gerade deshalb so lebendig. Wahrscheinlich kann man diese Fotos nicht ansehen, ohne die eigenen Wünsche und Ängste. Mit den Realitäten der solchermaßen konstruierten “Anderen” hat dies natürlich nichts zu tun.

Die Realitäten sprechen eine andere Sprache, wie eine kleine Presseschau zeigt.  Das 2005 gestartete “Jahrzehnt der Roma-Inklusion” hat  bislang nicht viel gebracht, resümiert Norbert Mappes-Niediek ausführlich in den Blättern für deutsche und internationale Politik.

Alena Wagnerová schreibt in der  Neuen Zürcher Zeitung über die Plattenbausiedlung Lunik IX bei Košice. Als die Altstadt saniert und die Roma kurzerhand hierher verfrachtet wurden, entstand die grösste Roma-Siedlun der Slowakei. Nun leben die Bewohner hier ohne Perspektiven für eine Zukunft. Am Schluß des Beitrags spricht die Autorin auch über das  feindselige Verhältnis der europäischen Mehrheitsgesellschaften zu den Roma -  ein soziales Problem, das nun auch Westeuropa erreicht hat:  “Das Wichtigste ist aber, das Roma-Problem als ein Armutsproblem und nicht als Problem einer «minderwertigen Ethnie» zu verstehen, «die jetzt über uns herfällt».”

Im Tagesspiegel spricht der Literaturwissenschaftler Klaus-Michael Bogdal über sein Buch „Europa erfindet die Zigeuner. Eine Geschichte von Faszination und Verachtung“, ausgezeichnet mit dem Preis zur Europäischen Verständigung der Leipziger Buchmesse. Interessant ist sein Befund zu den Unterschieden des Antisemitismus und Antiziganismus: “Die Juden sind das Andere, das man niemals sein kann, die ,Zigeuner’ stellen das dar, was man nie sein möchte – das man aber stets werden kann, wenn man von der sozialen Leiter herunterfällt.” Der “Zigeuner” ist also der Deklassierte, der in jedem steckt.

Foto
Zigeunermeisje rookt sigaret / Gypsy girl smoking cigarette
Nationaal Archief/Spaarnestad Photo/Het Leven
Nederlands: Zigeunermeisje rookt sigaret. Nederland, Amsterdam, 1912.
English: Gypsy girl smoking cigarette. The Netherlands, Amsterdam, 1912.
Lizenzfrei via Flickr


Verhungern, verdursten. Der Berlin-Tatort “Machtlos” setzt (auf) Zeichen

Datum: 08.01.2013 | Autor: Elke | Kategorien: Texte, Verhungern, verdursten: Tatort "Machtlos" | Tags: , , | Keine Kommentare »

Der jüngste Berlin-„Tatort“ „Machtlos“ ist ein seltsamer Fall. Uwe Braun hat Benjamin Steiner, den neunjährigen Sohn eines Bankers entführt, den ersten Teil des Lösegeldes freigiebig auf dem Alexanderplatz verteilt und sich dann freiwillig festnehmen lassen. „Er ist unzurechnungsfähig“ ruft eine Polizistin, die mit ihren Kollegen den Vorgang observiert. Doch dieser Eindruck wird schnell widerlegt.

Im Verhörraum beharrt Braun darauf, den Eltern eine Botschaft zukommenzulassen, außerdem will er durch sein Handeln „ein Zeichen setzen“. Dieses “Handeln”  ist zunächst äußerst brutal: Benjamin verfüge, erklärt er den Kommissaren Ritter und Stark, nur über einen begrenzten Wasservorrat. Komme man seinen Forderungen – 10 Millionen Lösegeld – nicht nach, werde dieser verdursten.

Braun ist das Gegenteil eines gewissenlosen Kriminellen. Im Gegenteil ist er von der Lauterkeit seiner Motive überzeugt, weshalb er den Vorwürfen, er handele unrecht, bedingungslos zustimmt. Trotzdem macht er weiter, gibt das Versteck des Jungen nicht preis. Später, so insistiert er immer wieder, würde man ihn verstehen. Damit ist die Frage nach dem Motiv aufgeworfen, das in diesem Fall zum Spannungsbogen avanciert, da die Frage, ob das Kind verdursten wird, ja in einem „Tatort“ nicht wirklich spannend ist. Man weiß von vornherein: natürlich nicht. Was also treibt diesen Mann an? Was ist sein Motiv?

Zunächst scheint die Entführung aus der persönlichen Geschichte des Protagonisten zu resultieren. Braun, ehemals erfolgreicher Geschäftsmann, wurde vor Jahrzehnten durch die Kreditvergabepraktiken des noch jungen Bankers Steiner ruiniert. Belegt wird dies durch seinen damaligen Anwalt, dem hier die Rolle des alten, weisen Mannes zukommt. Kein durchtriebener Jurist, wie sonst oft, eine durch und durch ehrbare Figur betritt in dieser Folge die Szene, um die Schuldhaftigkeit des Bankers zu beglaubigen. Zwar dürfte dieser Schuldspruch angesichts des gegenwärtigen Images von Bankern auch ohne ihn auf sofortige Zustimmung in der Zuschauerschaft stoßen, doch – hier nun kommt die erstaunliche Wendung – es geht gar nicht um das Motiv „Rache“!

Zeichen setzen

Vielmehr geht es um „das Zeichen“, das Braun setzen wolle. Und hier kommt das zweite Motiv ins Spiel. Denn Braun hat sich mit den Geschäftspraktiken der Bank beschäftigt, in deren Vorstand Steiner nun sitzt und ist auf Nahrungsmittelspekulationen gestoßen. Während er sonst nur einsilbig auf die Fragen der Kommissare antwortet, erläutert er seinem angereisten Sohn ausführlich die Auswirkungen der Nahrungsmittelspekulation. In ihrer Länge und in den genauen Zahlenangaben wirkt diese kleine Rede fast wie ein Fremdkörper, wie ein Referat, das Wissen für die Zuschauer rekapituliert: Nahrungsmittelspekulationen treiben die Preise für Nahrungsmittel nach oben, sie schaffen Armut und Hunger. Allein 2010 stiegen die Lebensmittelpreise dadurch um 30%, 40 Millionen Menschen wurden in die absolute Armut gestoßen. Wieviele Kinder davon betroffen seien, könne man gar nicht ermessen. Die Politik sehe tatenlos zu. Braun nennt dies ein „unglaubliches Verbrechen“.

Und hier wird der „Tatort“ nahezu provokant. Denn eigentlich impliziert er an dieser Stelle: Was ist ein Menschenleben gegen die vielen Menschenleben, die aufgrund von Nahrungsmittelspekulationen sterben? Diese höchst unmoralische Frage stellt der Film nicht, er legt sie in diesem Moment aber nahe. Die Entführung des Bankersohnes wirkt wie eine mittelalterliche Bestrafung, die nach dem Spiegelprinzip funktionierte: Die Strafe zeigt an, was man verbrochen hat. Der abgehackte Arm spiegelt den Dieb. Hier nun sind Verdursten und Verhungern einander gegenübergestellt.

Verhungern, verdursten

Doch noch ist Braun kein Mörder, sondern „nur“ ein Kidnapper. Und Nahrungsmittelspekulationen sorgen für mehr Hunger, nicht gleich für den Tod. Doch die spiegelbildliche Struktur von Durst und Hunger verweist auf die Extremfälle, die eintreten können: Benjamin kann verdursten, Menschen können verhungern. Würde Benjamin verdursten, würde der Entführer zum Mörder. Und damit stellt sich die Frage, die der Tatort indirekt stellt: Wenn Menschen aufgrund von Nahrungsmittelspekulationen nicht „nur“ hungern, sondern sterben, ist das nicht ebenso Mord? (Jean Ziegler würde umstandslos ja sagen). Mord durch Verdursten, Mord durch Verhungern.

Kommissar Ritter weist Braun darauf hin, dass er „nicht als Robin Hood, sondern als Kindsmörder in die Geschichte“ einginge. Mit der Figur Robin Hood – den Reichen nehmen, den Armen geben – wird die politische Dimension des Falls individualisiert und romantisiert. Zum Robin Hood der traurigen Gestalt wird Braun, wenn er schließlich der Bankiersgattin nicht nur das Versteck verrät, sondern ihr auch das Versprechen abnimmt, 10 Millionen zu spenden. Als Frau Steiner mit den Kommissaren vor dem Versteck steht, beteuert sie, dass, sollte ihr Sohn überlebt haben, sie wirklich diese Summe spenden werde.

Die Lösung

Setzt nun Frau Steiner das Zeichen, das der gefangengesetzte Braun nicht setzen kann? Nein, denn er wollte – wie wirklichkeitsfremd auch immer – ein Stück Gerechtigkeit schaffen. Doch was kann die 10-Millionen-Spende für Frau Steiner bedeuten: Ein Dankesopfer, dargeboten den Armen? Von der Zeichenlogik des Films her gedacht, hätte sie sagen müssen, das sie auf jeden Fall etwas spenden werde – ob der Sohn überlebt oder nicht. Denn wenn der eigene Reichtum auf dem potenziellen Mord anderer basiert, dann gibt man unethisch erwirtschaftetes Geld zurück. So bleibt es bei einer Charity-Geste.

Doch muss man gerechterweise sagen, dass Frau Steiner gar nicht verstanden haben kann, warum sie Geld spenden soll: Das politische Motiv des Erpressers – seine Erkenntnisse über die Nahrungsmittelspekulationen – bekommt sie ebenso wenig zu hören wie ihr Ehemann. Es bleibt ein absolut pessimistischer Tatort, der seinen Titel „Machtlos“ zurecht trägt: An den Zuständen dieser Welt scheint man nichts ändern zu können. Das bleibt solange so, wie die politischen und finanzmarkttechnischen Dimensionen der Armut nicht als kriminelle erscheinen, sondern letztlich auf dem Charity-Sektor gelöst werden.


Neukölln ist leider nicht überall!

Datum: 30.12.2012 | Autor: Elke | Kategorien: Texte | 2 Kommentare »

Eine Ehrenrettung am Jahresende: Verkleidet als Obdachlose zogen zwei Journalisten durch das vielgeschmähte, sozial schwache Neukölln und baten um Essen, Unterkunft, Hilfe.

Was sie an spontaner Hilfe und Soldiarität  >erlebten,  stimmt hoffnungsfroh. Im letzten Jahr waren die beiden in  gleicher Mission  in Kronberg im Taunus unterwegs. In diesem sehr wohlhabenden Städtchen  wurden sie  ignoriert oder beschimpft.

Ach, wäre es schön, wenn  Buschkowsky doch recht bekäme!

Ab 2013 hieße es dann: Neukölln ist überall!

In diesem Sinne: Einen Guten Rutsch ins Neue Jahr!

Danke an Annina für den Hinweis.



doppelplusgut: Ministerium für Wahrheit nimmt Arbeit auf

Datum: 28.11.2012 | Autor: Elke | Kategorien: Texte | 1 Kommentar »

Geschafft! Stolz und zufrieden zeigt sich die Bundesregierung angesichts der Einrichtung des neu geschaffenen “Ministeriums für Wahrheit”.

Bereits 1948 hatte der langjährige, mittlerweile verstorbene  Mitarbeiter Georg Orwell einen Referentenentwurf eingebracht, doch seine unter der Nummer  “1984“  geführte Stellungsnahme versauerte in den Aktenschränken der Ministerien. Zwar kam es immer mal wieder zu halbherzigen Versuchen, diesen umzusetzen, aber kein Kabinett wagte sich bisher an die konsequente Realisierung  dieses radikalen Staatsentwurfs. “Utopisch”, ” zu schwierig”, Wir haben keine Gegenfinanzierung”, lauteten bislang die Begründungen. Doch nun hat das “Ministerium für Wahrheit” (MfW)  seine Arbeit aufgenommen: Als erstes legte es den Armutsbericht der Bundesregierung 2012 vor, der auch die notorischen Kritiker der Regierung begeistert: Gelobt wurden “das schöne Zahlenwerk”  und die “sehr eleganten Textpassagen”. Natürlich sei es bedauerlich, dass Georg Orwell die Umsetzung seiner Idee nicht mehr erleben könne, erklärte der Regierungssprecher in einer Pressekonferenz. Die Regierung erwäge aber, Orwell durch eine am MfW angebrachte Gedenktafel  zu ehren. Doppelplusgut, meint auch unsere Redaktion.

Foto: Georg Orwell, Wikipedia (gemeinfrei, da das Urheberrecht abgelaufen ist und die Autoren unbekannt sind).


Armut auf Arte

Datum: 27.11.2012 | Autor: Elke | Kategorien: Texte | Keine Kommentare »

Auf Arte

Bis 29.11. laufen acht Filme, ausgestrahlt in 70 Ländern.

Auftakt: “Why Poverty – Geld für die Welt”

Der Pressetext von TV Spielfilm:

In den 80ern begannen Promis, Geld gegen den Hunger in Afrika zu sammeln. Bob Geldof organisierte Kampagnen wie “Live Aid”, wurde mit U2-Sänger Bono zur Galionsfigur. Ein späterer Mitstreiter: Microsoft-Chef Bill Gates. Doch was bewirkte die Lobbyarbeit mit den Mächtigen?! Eine Rückschau. Um 21.15 rollt eine Doku die Geschichte des Elends weltweit auf: “Armutszeugnis”. Hochaktuell um 22.15: “Gemachte Armut” in Europa. Wie kam es in der Politik von sozialer Marktwirtschaft zum Spekulationskapitalismus? Morgen ab 22.20 geht’s um Ausbeutung durch Großkonzerne in Sambia, um Armut trotz Bildung in China und soziale Chancen(-losigkeit) von Kindern.