Lewitscharoff zur Armut in der Literatur

Datum: 30.10.2011 | Autor: Elke | Kategorien: Texte | Tags: , | 1 Kommentar »

In  >Literaturen stellt > Sibylle Lewitscharoff die wütende Frage, wie es um die Armutsdarstellungen in der Gegenwartsliteratur bestellt sei. Ihr vernichtendes Urteil: “Wir assoziieren arme Leute in wohl- habenden Ländern hauptsächlich mit kaputten Typen, mit Fett- süchtigen, Alkoholikern, Rechtsradikalen und Versagern, die unablässig beraten, therapiert, unterstützt oder polizeilich in die Schranken gewiesen werden müssen, vor allem aber sehen wir in ihnen Leute, die ihre Kinder übel verkommen lassen. Im Grunde ist es so: Den Armen dürfte es in den modernen Wohlstandsgesellschaften gar nicht geben. Kreuzt er dennoch in den Straßen auf oder sieht man ihn im Fernsehen, lastet auf ihm die ganze Schuld, daß er so erbärmlich ist, wie er aussieht und sich benimmt. Deshalb gibt es einen himmelweiten Unterschied, wie Arme in den Romanen, Märchen und Erzählungen des 19. Jahrhunderts, in den beginnenden Industriegesell- schaften, portraitiert wurden, und wie die Armen heute bei uns in der Literatur auftauchen.” Dies stimmt ganz und gar mit dem überein, was dieser Blog schon seit Anbeginn kritisiert. Es ist wunderbar, dass sich die vielleicht sprachmächtigste und phantasievollste Schriftstellerin der deutschen Ggegenwartsliteratur dieser Frage angenommen hat. Vielleicht folgt ja ein Buch zum Thema!


Lewitscharoff liest allen die Leviten

Datum: 07.07.2011 | Autor: Elke | Kategorien: Trailer, Teaser & Geschmacksverstärker | Tags: , | Keine Kommentare »

Die > Frankfurter Rundschau berichtet über die Frankfurter Poetikvorlesung von Sibylle Lewitscharoff, einer der wohl sprachmächtigsten GegenwartsautorInnen – und eine meiner literarischen Hausgötter. Ihr Thema: “Arm und Reich“: “Dabei identifizierte sie nicht nur die ‘Gier’ als den ‘Totengräber’ eines ansonsten ‘praktikablen politischen Systems’. Sie fragte auch, wo er bloß geblieben sei, der ‘einfache, würdevolle Arme’. An den Rand nämlich gepresst vom Fernsehen, das eine fettleibige, alkoholmissbrauchende, ihre Kinder vernachlässigende Unterschicht vorführe”. Auch der Leipziger Schule werden die Leviten gelesen!
Das Gespenst der Armut schließt sich vorbehaltlos an und verweist bescheiden auf die Beiträge dieses Blogs.