Klare Verhältnisse

Datum: 18.10.2011 | Autor: Elke | Kategorien: Texte | Tags: | Keine Kommentare »

Dass es für sozial Schwache immer schwerer wird, aus der eigenen Schicht aufzusteigen, ist nun auch statistisch belegt, wie der Artikel von Jana Gioia Baurmann  im > Tagesspiegel anlässlich des Erscheinens des “Sozialreports für Deutschland” referiert. Die treffliche Überschrift:  “Einmal arm, immer arm”. Ein zentrales Moment bildet die Bildungsbiographie: Wer unstudierte Eltern hat, wird vermutlich auch selbst nicht studieren. Das Umgekehrte gilt selbstverständlich auch. Doch muss man da gleich von Stagnation sprechen?

Nicht unbedingt, denn es gibt durchaus monetäre Dynamiken: “Krise hin, Krise her – die meisten Reichen haben ihre Vermögen im vergangenen Jahr weiter ausgebaut, zudem gibt es in Deutschland 17 neue Milliardäre”, schreibt die >Süddeutsche Zeitung. Wer will da noch meckern: Es herrschen doch klare Verhältnisse.


Erspekulierter Hunger

Datum: 09.10.2011 | Autor: Elke | Kategorien: Texte | Keine Kommentare »

Das Hilfswerk Misereor und der als Mr. Dax bekannt gewordene Börsenexperte Dirk Müller stellen eine Studie vor, die Müller im Auftrag von Misereor erarbeitet hat. Sie belegt den Zusammenhang von Armut und Finanzspekulationen im Argrarsektor: ” ‘Erträge ernten, von Knappheit profitieren!’  Mit solchen Slogans lockt die Finanzbranche Großspekulanten und Privatanleger in Agrarfonds. Jeder kann dabei sein, wenn es darum geht, Kapital aus steigenden Agrarpreisen zu schlagen.” Hier geht’s zum Artikel in der > Frankfurter Rundschau.


Taste the Waste

Datum: 08.10.2011 | Autor: Elke | Kategorien: Trailer, Teaser & Geschmacksverstärker | 2 Kommentare »

Valentin Thurn, Regisseur des Films “Taste the Waste”, der gerade im Kino läuft, ist am Sonntag Gast bei Günther Jauch. Hier die Pressemitteilung von Valentin Thurn

Wie stoppen wir den Wegwerf-Wahnsinn?
GÜNTHER JAUCH am 09. Oktober 2011
um 21:45 Uhr im Ersten

Nicht verschimmelt, nicht verdorben, nicht einmal geöffnet und trotzdem im Müll: Millionen Tonnen essbarer Lebensmittel werden in Deutschland jährlich weggeworfen. Handel und Verbraucher entscheiden meist nach Ästhetik und Mindesthaltbarkeitsdatum und selten danach, ob die Lebensmittel noch genießbar sind. Was steckt hinter der Wegwerf-Mentalität? Welche Rolle spielen Industrie und Handel? Was kann der Verbraucher tun? Welchen Zusammenhang gibt es zwischen dem Hunger in der Welt und unserer Verschwendung? Darüber diskutiert Günther Jauch mit:
Ilse Aigner (CSU), Bundesministerin für Ernährung,
Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer Hauptverband des
Deutschen Einzelhandels
Sarah Wiener, Starköchin
Valentin Thurn, Dokumentarfilmer (u.a. „Taste the Waste“)
Hanna Poddig, “Mülltaucherin“

Zuschauer können sich gerne vor und während der Sendung an der Diskussion beteiligen: Im

Internetforum unter www.guenther-jauch.de oder per Mail an mail@guenther-jauch.de

Bild: Taste the Waste


Armut von Frauen steigt in den USA

Datum: 07.10.2011 | Autor: Elke | Kategorien: Trailer, Teaser & Geschmacksverstärker | Tags: | Keine Kommentare »

Mädchenmannschaftlerin Magda fasst verschiedene Meldungen zusammen, die sich mit der steigenden Armuts- quote von Frauen in den USA beschäftigt. Das  erschreckende Fazit:   “Jede vierte Schwarze Frau und jede vierte Latina lebte 2010 in Armut”. Hier geht’s zum > Artikel.


Gesehen: Screening the Poor

Datum: 05.10.2011 | Autor: Elke | Kategorien: Rezensionen, Screening the Poor | Tags: | Keine Kommentare »

Armut als Gesellschaftsspiel

Zwei Damen der feinen Gesellschaft beobachten, wie zwei Straßen- musikerinnen von der Polizei verscheucht werden, leihen deren Kleider aus und gehen nun selbst auf musikalische Betteltour. Ein königliches Vergnügen – bis erneut die Polizei einschreitet, was anders als vorher bei den betröpelten Armen jetzt für noch mehr Erheiterung sorgt. Der Verlobte einer der Damen holt die Damen aus dem Kommissariat, die armen Frauen dürfen die Kleider der Reichen behalten, werden geherzt und bekommen zudem noch einen Obolus zugesteckt. Ende gut, alles gut: Alle sind überglücklich über diesen gelungenen Streich.

Der italienische Stummfilm „Le Violoniste della carità” von 1911 zeigt, dass die Soziale Frage um 1900 auch das Kino heimsuchte – und durchaus unterschiedliche Imaginationen hervorrief. Versammelt ist die Bandbreite filmischer Armuts-Repräsentationen auf der Doppel-DVD „Screening the Poor 1888 – 1914“, die 32 Lichtbilderserien und Filme aus der Frühzeit des Kinos umfasst. Ebenso wie die große, zunächst in Trier und nun in Ulm präsentierte Ausstellung „Armut“ entstand auch diese Dokumentation im Rahmen des DFG-Forschungsprojekts „Armut und Fremdheit“.

Naturgemäß bildet die humoristische Auslegung des Themas Armut die Ausnahme. Vorrangig behandelt auch das neue Medium Film dieses Sujet im kulturhistorisch etablierten Spannungsfeld zwischen Mitleid und Anklage, Voyeurismus und Verdrängung. So wirft der französische Film „Comment les pauvres mangent à Paris“ (1910) einen quasi ethnologischen Blick auf Ernährungsgewohnheiten der Armen und der Clochards. Tatsächlich ist nicht zu rekonstruieren, ob es sich um authentische Aufnahmen oder nicht doch um bezahlte Schauspieler handelt – auch damals kannte man offenbar schon die Scripted Realities des heutigen Unterschichten-Fernsehens. Weiterlesen »


Happy Birthday Jim Thompson!

Datum: 27.09.2011 | Autor: Elke | Kategorien: Texte | Tags: , | Keine Kommentare »

Happy Birthday – heute hätte  Jim Thompson Geburtstag!

Jim Thompson gehört zu den Noir-Schriftstellern, der Texte lange nur als eher minderwertige Pulp Fiction galten. Nun ist auch sein autobiographisch inspirierter Debütroman “Jetzt und auf Erden” in deutscher Übersetzung erhältlich. Hier erzählt der Autor von den Mühen, ein Schriftsteller zu werden, wenn man alle Umstände  gegen sich hat: Die Hölle zuhause und  einen Job in der kafkaesk anmutenden Buchhaltung einer Flugzeugfabrik. Vor allem aber keine Zeit zum Schreiben: Da bleibt seinem Alter Ego James ‚Dilly’ Dillon manchmal nichts anderes übrig, als, ständig von den anderen Familienmitgliedern gestört, nachts mit seiner Schreibmaschine auf der Toilette sitzen.

Der Loc/k/us terribilis literaischer Produktion

Wahrlich ein Loc/k/us terribilis als Sinnbild der privaten Erfahrungen, die  Thompsons literarischer Produktion zugrundeliegen, die die Gesellschaft als Kloake imaginiert. Stephen King schreibt im Vorwort zu „Jetzt und auf Erden“ denn auch treffend, Thompsons  analysiere die „Stuhlproben der Gesellschaft“. Es gehe um Menschen, die wie „wuchernde Zellen in den Gedärmen der amerikanischen Gesellschaft hausen.“ Gemeint ist das Personal des Werkes: Psychopathen, Kleinkriminelle und Irre, die sich mit Gewalt nehmen, was sie wollen. Oder Gerechtigkeit so ausüben, wie es ihnen paßt.

Fiktion als Gegenwehr

“Jetzt und auf Erden” läßt sich als Erfahrungshintergrund lesen, der diese Gewaltfiktionen als imaginäre Gegenmaßnahme generierte: Der Roman zeigt die Ohnmacht der amerikanischen Unterschicht während und nach der Great Depression; einer Unterschicht, deren Leben durch schneidende Armut und oft durch Hunger geprägt ist. Zwar hat Dilly  nun, während des Rüstungsbooms im Zweiten Weltkrieg einen Job, doch es bleibt eine Existenz auf Messers Schneide, haarscharf am Absturz vorbei. Jeder Tag kann  eine neue Katastrophe bringen – und dann ist da noch Dillys frühere Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei, die ihm nun zum Verhängnis zu werden droht. Weiterlesen »


Nur weg mit denen?

Datum: 20.09.2011 | Autor: Elke | Kategorien: Texte | Keine Kommentare »

Jürgen Malyssek, dessen ausgezeichnetes Buch über Obdachlosigkeit > hier bereits vorgestellt wurde, sprach mit der > Frankfurter Rundschau
über Lösungsmöglichkeiten angesichts eines lokalen Problems in Wiesbaden, das aber viele Städte kennen: Die öffentliche Trinkerszene, von der sich die Anwohner belästigt fühlen. Sehr gute Vorschläge – zur Nachahmung bzw. Umsetzung empfohlen!

Foto: Karuna e.V.


Soziales Dorf

Datum: 13.09.2011 | Autor: Elke | Kategorien: Trailer, Teaser & Geschmacksverstärker | Tags: | Keine Kommentare »

Vom 9. bis 11. September fand in Minden das erste bundesweite Treffen der Initiative „Soziales Dorf“  statt. Hier die Pressemitteilung:

Bei der Idee „Soziales Dorf“ handelt es sich um ein Lebensraumprojekt für sozial benachteiligte Menschen, Langzeitarbeitslose, Menschen in Armut oder mit chronischer Erkrankung nach dem Vorbild von Ökodörfern. Dabei stehen soziale Aspekte im Vordergrund, die ein gemeinsames Leben und Arbeiten ermöglichen. Durch ein „Soziales Dorf“ mit bis zu 150 Bewohnern sollen nach den Plänen der Initiatoren auch 60 Arbeitsplätze neu entstehen und die medizinische Grundversorgung im von Ärztemangel bedrohten ländlichen Raum gesichert werden. Ein besonderer Stellenwert wird beim ersten Bundestreffen dem Zusammenhang von Gesundheit und Sport eingeräumt.  Weitere Informationen im Internet unter: www.soziales-dorf.eu

Nun kam es zu ersten Resultaten – hier die zweite Pressemitteilung

Die Initiative „Soziales Dorf im Mühlenkreis“ hat auf ihrem ersten Bundestreffen am Wochenende ein Leitbild verarbschiedet. Ziel zur Gesundheitsvorsorge für sozial Benachteiligte Menschen ist die Schaffung eines größeren nachbarschaftlichen Wohn- und Lebensraumprojektes auf einem Bauernhof im Bereich des Kreises Minden-Lübbecke. Weiterlesen »


Gelesen: Strategien des Gegenhandelns

Datum: 27.08.2011 | Autor: Elke | Kategorien: Eddie Hartmann, Rezensionen | Tags: , , | Keine Kommentare »

Gegenwärtig protestiert und rebelliert die Jugend in Europa, wobei das Spektrum von den friedlichen Camps auf der Puerta del Sol in Madrid bis hin zu den exzessiven Gewaltausbrüchen in England reicht. Zugleich erinnern die jüngsten Ereignisse in England an die Gewalteruptionen in der Pariser Banlieu im Jahr 2005.

Alle gleich im Protest?

Auf die Frage nach der Vergleichbarkeit der beiden Ereignisse antwortete der Eliten-Forscher Michael Hartmann im> Freitag: „In den Banlieues haben die Jugendlichen nicht die teuren Geschäfte ausgeräumt – weil es die dort gar nicht gibt. (…) Die Gettos in London sind nicht so weit weg von den Vierteln, in denen die teuren Konsumgüter angeboten werden. (…) Das ist ein Unterschied zu den Unruhen in Frankreich. Aber sonst ist das Muster genau dasselbe: Der Auslöser war derselbe: Ein Mann wurde von der Polizei erschossen. Auch die Grundlagen ähneln sich: Perspektivlosigkeit, hohe Arbeitslosigkeit, wenig Bildung. Dann explodiert das kurz, man liefert sich Straßenschlachten mit der Polizei oder brennt etwas nieder. In den Banlieues haben sie Schulen angesteckt, was völlig idiotisch ist, aber das ist deren Haltung: Es ist sowieso alles egal – und wenn sich die Gelegenheit bietet zu plündern, dann wird das meistens auch wahrgenommen.“

Auf dieser Folie bietet die soziologische Dissertation von > Eddie Hartmann „Strategien des Gegenhandelns – Zur Soziodynamik symbolischer Kämpfe um Zugehörigkeit“, die sich mit den Kämpfen der jeunes de banlieu in einigen Pariser Vororten im November 2005 befasst, einen Erklärungsansatz auch für die aktuellen Ausschreitungen in England bzw. erlaubt länderübergreifende Erkenntnisse über die Formen und Konsequenzen von Exklusionsprozessen, die Eddie Hartmann ins Zentrum seiner empirischen Untersuchung stellt.

Symbolische Grenzen

Hartmann richtet er sich dagegen, die symbolischen Grenzziehungen zwischen den Vorortjugendlichen und der Mehrheitsgesellschaft als Ursache des Konfliktes zu sehen, sondern macht diese Grenzziehungen selbst zum Gegenstand der Untersuchung. Basierend auf der Prämisse, dass auch soziale Konflikte eine gesellschaftliche Beziehung darstellen – und eben keinesfalls ein Nebeneinander der Milieus – fragt er nach Genese, Ausgestaltung und Kontinuität dieser Konfliktlinien, die in den symbolischen Grenzen ihren Ausdruck finden. Weiterlesen »


Neukölln wie es singt & lacht

Datum: 25.08.2011 | Autor: Elke | Kategorien: Texte | Tags: , , | Keine Kommentare »

Ein Bezirk besingt sich selbst -- gesucht wurde “Dein Lied für Neukölln”. Ort des Geschehens: der > Heimathafen Neukölln. Die Jury: Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky, Vorjahressieger Kalle Kalkowski und ein Stargast, dessen Namen ich leider vergessen habe. Abgestimmt hat dann das Publikum.

Wenn eine Hymne gesucht wird, ist es soweit: Gesucht wird eine Identiät, spielerisch singend wird erprobt, wer man denn ist und sein will. Kein Wunder, der Bezirk befindet sich im Umbruch, er tingeltangelt zwischen Gentrifizierung und Armut, Hippness und Abschaumfantasien. Entsprechend die Auswahl des vorgestellten Liedguts, das vom trashigen “Neukölln, du alte Hure” bis zum liebevollen “Mädchen aus Neukölln” reichte.

Es gewann der wunderbare Otto Kuhnle mit “Neukölln ist auf Scheiße gebaut”, ein Lied, das zwar den Bürgermeister nicht erfreute, aber zu meinen zwei Favoriten zählte.

Aber mein Sieger wäre doch Herr Stenzel mit seiner “Polonaise durch Neukölln” gewesen. Herr Stenzel schaffte es mühelos, die hippen Youngsters zur Polonaise durch den Saal zu bewegen (allein das ein Genuß! von wegen Polonaise ist nur was für’s Altersheim) und damit genau die soziale Bewegung zu performen, die Nordneukölln heimsucht: Partypeople unterwegs im schicken Armutsbezirk. Dass man zu großen Teilen selbst genau die Gentrifikation ist, die man eingangs kritisch beklatschte -- gelebter, ach was: getanzter Widerspruch! Wenn man selbst die Polonaise ist, muss man das schließlich nicht auch noch selbst bemerken. Genug gemeckert, lustig war’s in jeder Hinsicht, hier mein Lied für meinen Bezirk: