Grün, öko, un/sozial, arm

Datum: 19.12.2010 | Autor: Elke | Kategorien: Texte | Tags: , | Keine Kommentare »
Öko ist der letzte Konsens einer sozial gespaltenen Gesellschaft. Dieser Gedanke wollte immer zu einem Beitrag auf diesem Blog werden, schaffte es aber nie, so richtig ausformuliert zu werden. Martin Kaul resümiert nun die Protestbewegungen des auslaufenden Jahres zutreffend in seinem Artikel “Öko hui, Arme pfui” in der >> taz: “Leider ist es aber so, dass das Jahr mit Solidarität und Visionen wenig bis nichts zu tun hatte. Protest 2010 war der Protest der Integrierten. Abgesehen von den Ökoknallern, die vor allem das gutsituierte Bildungsbürgertum bewegen, sah es überall dort mau aus, wo es tatsächlich existenziell wurde.”

Deshalb passt es auch, dass “Wutbürger” – mit Betonung auf “Bürger” – zum Wort des Jahres 2010 wurde. Die anderen – mittlerweile auch summarisch “Hartzler” genannt – sind zwar vermutlich auch wütend, aber unorganisiert. Zum Status des Bürgers reicht es jedenfalls nicht.

Dass Öko nur etwas für Wohlhabende sei, diese provozierende These stellte Malte Lehming vor einiger Zeit im >> Tagesspiegel auf. Zudem, so Lehming, mache ökologisches Bewusstsein die Armen noch ärmer. Die Grünen bezeichnet Lehming schlankweg als unsozial. Grünes und soziales Bewusstsein als Gegensatz – eine traurige Bilanz, aber doch eigentlich kein logischer Widerspruch. Tatsächlich muss man eher sagen, dass die Grünen ökologische Forderungen und soziale Politik wohl auch deshalb so wenig miteinander verbinden, weil sie sich für Letztere kaum noch zu interessieren scheinen.

Kein logischer Widerspruch, sondern eher die logischen Zwänge der Ökonomie verbinden Ökologie  und Armut noch in anderer Hinsicht: Arme sammeln, essen, verwerten, verbrauchen nicht Genutztes und  Abfall. Das Bild Des glaneuses von  Jean-François Millet inspirierte >> Agnès Varda zu dem wunderschönen Film Die Sammler und die Sammlerin ( Les glaneurs et la glaneuse ) – eine kleine filmische Kulturgeschichte des Sammelns, Verschwendens, der Armut und einer nicht immer freiwilligen Ökologie von unten.


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