Commons: Offene Fragen
Datum: 28.10.2012 | Autor: Elke | Kategorien: Texte | Tags: Armutskonferenz 2012, Commons | Keine Kommentare »Die Armutskonferenz stand im Zeichen der Commons, der Gemeingüter. Vertreten wurde die Bewegung, so bereits von einer solchen gesprochen werden kann, durch die Aktivistin Brigitte Kratzwald ( hier geht es zu ihrem Blog Commons und Solidarische Ökonomie). Doch letztlich wurde mir nicht wirklich klar, was von den Commons als politischer Idee bzw. Initiative zu halten ist.
“Lieber Schenken als Festhalten”
Den Bezugspunkt bilden die Forschungen der Nobelpreisträgerin Elinor Ostrom , die sich “mit Problemen kollektiven Handelns bei knappen natürlichen Ressourcen, die gemeinschaftlich genutzt werden (Allmenden), beschäftigt. Sie kam zu dem Ergebnis, dass für eine angemessene und nachhaltige Bewirtschaftung von lokalen Allmenderessourcen in vielen Fällen eine institutionalisierte lokale Kooperation der Betroffenen sowohl staatlicher Kontrolle als auch Privatisierungen überlegen sei.“ Soweit Wikipedia, ich habe das Buch (noch) nicht gelesen, vertraue hier also auf die Schwarmlektüre. Die Armutskonferenz schrieb in ihrem Programm: „Leitende Gedanken sind die Fragen, was ‚gut für alle’ ist und ‚was mehr wird, wenn wir es teilen’.“
Offene Fragen
Nach drei Tagen Diskussionen sehe ich noch nicht wirklich klarer (was ja nichts macht, schöne Verwirrungen führen ja auch weiter). Denn die Idee der Gemeingüter hat natürlich etwas sehr Bestechendes, rückt es doch die Bedürfnisse, die Rechte und die Verantwortlichkeit der und des Einzelnen in den Blick. Andererseits blieb (nicht nur mir) unklar, inwieweit diese Idee wirklich zur Armutsbekämpfung beitragen kann. Für mich stellte und stellt sich die Frage, ob es sich bei den Beispielen (gemeinsame Gärten in der Stadt etc.) um lokale bzw. regionale Praktiken handelt, die eben lokal bzw. regional gut funktionieren, die aber in einer auf Profit, Konkurrenz und Verwertungsinteressen ausgelegten Gesellschaft ‚nur’ (aber auch: immerhin) Inselstatus haben können.
Schon während der „Frauen-Vor!-Konferenz“ wurde am Abend vor dem allgemeinen Konferenzbeginn debatiert, wer denn eigentlich die Commons putze? Hier ging es um “Sorge” bzw. neudeutsch “Care”-Tätigkeiten, die zumeist von Frauen ausgeführt werden. Angesichts (auch gewißer Erfahrungen beim Bloggen und im Wissenschaftsbetrieb) fragte ich mich (und die anderen), wer eigentlich die Commons nutzt? Im Sinne von: finanziell verwertet. Anders formuliert: Manche erstellen Commons, andere kapitalisieren sie. Die Antwort von Brigitte, dass sie “lieber schenke als festhalte”, ehrt sie, hat mich aber noch nicht wirklich überzeugt.
“Kapitalistische Kerne”
In der abschließenden Diskussion am Mittwoch wurde generell kritisiert, dass in der Commons –Diskussion die Machtfrage zu kurz käme, auch ist das Verhältnis zum Staat – bzw. den Rechtsansprüchen, die etwa die von Armut Betroffenen haben - ungeklärt. Der Politologe Ulrich Brand (Uni Wien) fragte in der abschließenden Podiumsdiskussion, ob es sich bei einer Commens-Bewegung, die die „kapitalistischen Kerne der Gesellschaft“ nicht angreife, nicht vielleicht um einen „Neoliberalismus von unten“ handele. Eine Aussage, der ich zustimme. Seitens der von Armut betroffenen Menschen wurde diplomatisch die utopische Perspektive der Commons-Debatte kritisiert: Sie fragten „ob es vielleicht eine Forderung gebe, die man gleich umsetzen könne.“






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