Perle des Tages

Datum: 07.07.2011 | Autor: Elke | Kategorien: Armut in der Kunst der Moderne, Perle des Tages | Keine Kommentare »

Der heißgeliebte > Perlentaucher bringt in der Bücherschau folgende Zusammenfassung meines Artikels in der > Frankfurter Rundschau vom 08.07.2011: “Das Thema Armut und Kunst scheint Rezensentin Elke Brüns verbunden mit einer Fülle von Fragen, widersprüchlichen Meinungen und ambivalenten Gefühlen. Der von Franziska Eißner und Michael Scholz-Hänsel herausgegebene Sammelband über ‘Armut in der Kunst der Moderne’ offeriert für sie in thematischen Schwerpunkten ein breites Spektrum künstlerischer Auseinandersetzung mit Armut, die den Betrachter herausfordern. Er verdeutlicht ihres Erachtens, dass Armutsrepräsentationen in der Kunst immer wieder ‘Fragen nach dem Zusammenhang von Ethik, Ästhetik und Engagement’ aufwerfen. Neben den Armutsdarstellungen bei Zille und Käthe Kollwitz hebt sie die Fotoarbeiten von Dorothea Lange, Martin Parr und Boris Mikhailov sowie die Installationen von Santiago Sierra hervor. Deren so unterschiedliche Werke und Ansätze bei der Darstellung von Armut machen für die Rezensentin eines klar: dass Armut eine ’spezifisch ästhetische Herausforderung’ darstellt und zwar ‘nicht nur für Künstler, sondern für alle’.”  Hätte ich nicht besser sagen können- vielen Dank an die Perlentaucher_innen!


Gelesen: Armut in der Kunst der Moderne

Datum: 30.06.2011 | Autor: Elke | Kategorien: Armut in der Kunst der Moderne, Rezensionen | 2 Kommentare »

Armut in der Kunst der Moderne – so der Titel einer Publikation, die es erstmals unternimmt, den Gegenstand systematisch darzustellen (dazu hier auch Beiträge von >Rudolf Frieling und >Jörg Heiser). Der von >Franziska Eißner und >Michael Scholz-Hänsel herausgegebene Band zeichnet ein weites Spektrum nach, das, aufbauend auf den Beiträgen des Kunsthistorikers Scholz-Hänsel zur Armutsikonografie seit der Frühen Neuzeit und des  Sozialwissenschaftlers >Stephan Lessenich zur Armutsproblematik, vor allem das 20. und 21. Jahrhundert in den Blick nimmt.

Dabei stellen sich naturgemäß immer wieder Fragen nach Ethik und Engagement: so etwa in den Serien der Farm Security Administration während der Großen Depression in den USA, die Armen als blitzblanke und saubere Bürger ablichtete.

Ein besonders schönes Beispiel ist die „Migrant Mother“ von Dorothea Lange, die in diesem Kontext entstand:

Für dieses Bild „brauchte sie laut ihrer Aussage keine zehn Minuten, um den Acker mit dem improvisierten Zelt der Familie wieder verlassen zu können. Sie hatte sechs Varianten der gleichen Szenerie im Gepäck, mit denen sie sich immer näher an die Frau herangetastet hat, allerdings nicht einmal ihren Namen in Erfahrungbringt.” Den Rest auf dem Weg zur mariengleichen Ikone der Armut besorgte das Fotolabor.

Der Band bietet sehr gute Analysen, etwa zur unterschiedlichen Herangehensweise von Käthe Kollwitz und Heinrich Zille. Beide stellen die Armut in der Weimarer Republik dar. Doch während Zille auch Humor, Witz und Widerstand  Platz einräumt, ist bei Kollwitz das Elend zumeist an Frauenfiguren festgemacht, während die Männer als verantwortungslose Subjekte erscheinen, die die Not durch Alkoholkonsum usw. noch verschlimmern. Idealisierend arbeitet auch der Brasilianer >Sebastião Salgado, der die heutigen Armen in ein quasi-religiöses Licht taucht,

während der Ukrainer >Boris Mikhailov in der Serie Case History auf Schock und eine Ästhetik des Hässlichen setzt.

Alle Ausdrucksformen zeigen, dass  Armut kein Sujet wie jedes andere ist. Es stellt eine spezifisch künstlerische Herausforderung dar – der sehr gelungene Band

zeigt, dass und wie diese angenommen wurde und wird. Mit und ohne Not.